Facetten der Pflege

Aufgaben und Herausforderungen pflegender Angehöriger

Die Aufgaben, die sich im Laufe eines Betreuungs- und Pflegeprozesses ergeben, lassen sich auf vier grosse Bereiche aufteilen. Dazu gehören die physische Pflege, die psychische Betreuung, das soziale Leben sowie die Verwaltung und Administration.

Physische Pflege

Der Bereich, an den wohl am ehesten denken mag, ist die physische Pflege. Dazu gehört alles rund um die Körperpflege, sei dies direkt oder unterstützend. Also Anleitung beim Waschen oder Duschen, Unterstützung beim Zähneputzen, Nagel- und Haarpflege. Aber auch das Essen oder die Zubereitung dessen, das dazugehörende Einkaufen, die Reining und Instandhaltung der Wohnung gehören ebenfalls zur physischen Pflege und Betreuung. 

Psychische Betreuung

Eine Aufgabe, die in ihrer Belastung unterschätzt wird, ist die psychische Betreuung. Dazu gehört ganz einfach auch das Gesellschaft-leisten, sich über das Wohlergehen des anderen zu sorgen und ihn oder sie in seiner aktuellen Situation emotional zu unterstützen. Je nach Krankheitsbild kann es auch beinhalten, den anderen zu beaufsichtigen oder Entscheidungen im Sinne des Erkrankten aber über seinen Kopf hinweg zu fällen. Grundsätzlich müssen pflegende Angehörige sich laufend an die Veränderungen, die im Laufe des Krankheitsprozesses auftreten, anpassen.

Das Sozialleben

Auch das soziale Leben birgt Anforderungen für pflegende Angehörige. Soziale Isolierung will von allen vermieden werden. Dazu müssen Kontakte gepflegt und Treffen organisiert werden. Man möchte unter den gegebenen Umständen so normal wie möglich mit anderen umgehen und die eigene Lebensart beibehalten. Und schliesslich müssen sich pflegende Angehörige auch um ihre eigenen, ganz persönlichen Kontakte kümmern. Das alles kostet Zeit, die oftmals durch die physische und psychische Betreuung bereits sehr knapp bemessen ist. 

Verwaltung und Administration

Zu guter Letzt bleibt die gesamte Verwaltung und Administration. Alle Aufwendungen für Pflege und medizinische Behandlungen müssen finanziell zu bewältigen sein. Die Überwachung und Regelung der Finanzen, Anträge für Unterstützung stellen und Rezepte bzw. Verordnungen für Therapien einholen, sind nur einige der anfallenden Aufgaben.

Stellt man sich nach dieser Beschreibung den Alltag von pflegenden Angehörigen vor, kommt man zum Schluss, dass sie ganz viele unterschiedliche Hüte tragen oder Rollen einnehmen. So sind sie Hauswirtschafter, Physio- und Ergotherapeutin, dann wieder Pflegeperson, ein bisschen Psychologe, Buchhalterin, dabei aber noch Sohn oder Tochter, Ehepartner oder Ehepartnerin sowie permanente Ansprechperson für alle. Viele pflegende Angehörige sind Pflegekoordinatoren: Sie beraten sich mit dem Arzt, sie vermitteln zwischen den Einrichtungen, sie achten darauf, dass Helfende die Pflege aufeinander abstimmen. Dabei kämpfen viele mit zwiespältigen Gefühlen wie Mitleid - Zorn, Angst - Hoffnung, Anteilnahme - Distanz. Der permanente Rollenwechsel führt zu hoher Belastung, ohne dass einem dieses bewusst ist.

Am Schluss stellt sich die Frage, was man für einen guten Pflegeprozess tun kann. Ganz wichtig ist es, sich bewusst zu machen, auf welche Aufgaben man sich einlässt. Bereits zu Beginn sollte man schauen, wo die eigenen Fähigkeiten, aber auch die eigenen Grenzen liegen. Nicht einfach die Ärmel hochkrempeln, Augen zu und durch. Betreuung und Pflege ist manchmal ein langer, ein jahrelanger Prozess. Dieser muss bewusst in Angriff genommen werden. Eigene Belastungen müssen frühzeitig erkannt werden, damit man sich dann auch die passende Unterstützung holen kann.

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