Aus dem Leben pflegender Angehöriger

Das Leben trotz Krankheit von der Sonnenseite nehmen

Als seine Frau wegen eines Hirntumors operiert werden musste, hat sich Karl Schöllhorns Alltag von Grund auf verändert. Heute kann er das Leben wieder geniessen – dank seiner positiven Einstellung und der Unterstützung durch eine Pflegehelferin SRK. Lesen Sie hier seinen Erfahrungsbericht.

«1992 wurde bei meiner Frau Rosemarie ein bösartiger Hirntumor festgestellt. Wahrscheinlich die Folge eines Schädelbruchs, den sie 1966 bei einem Autounfall erlitten hatte. Eine Operation war unumgänglich. Dann kam der Schock: Nach dem Eingriff war Rosemarie halbseitig gelähmt und hatte Schwierigkeiten beim Sprechen. Auch ihre geistigen Fähigkeiten waren beeinträchtigt. Sie war bettlägerig und konnte sich weder alleine waschen noch anziehen.

Plötzlich war nichts mehr wie zuvor

Das war ein schwerer Schlag. Unser ganzes Leben wurde auf den Kopf gestellt. Von heute auf morgen war privat und auch im Beruf alles anders. Ich wusste nicht, wie es weitergehen sollte, und stellte mir viele Fragen: Wie wird sich Rosemaries Gesundheitszustand entwickeln? Wie kann ich mich organisieren, damit wir möglichst normal weiterleben können?

Als ehemaliger Berufsmilitär und Ingenieur gebe ich nicht so rasch auf. Ich beschloss, meine berufliche Situation umzukrempeln, damit ich mich besser um meine Frau kümmern und sie in die verschiedenen Therapien begleiten konnte. Also kündigte ich meine Stelle bei der ABB und begann, bei uns in der Nähe an einer Hochschule zu unterrichten. Die neue Arbeit bot mir mehr Flexibilität. Nun musste ich nicht mehr ins Ausland reisen und konnte meine Vorlesungen zu Hause vorbereiten.

Dennoch war es eine harte Zeit. Gemeinsames Reisen und Sporttreiben waren nicht mehr möglich. Für Rosemarie, die früher Turnlehrerin war, und für mich als passionierten Kletterer war das ein schwerer Verzicht. Der Kreis unserer Freunde und Bekannten wurde zusehends kleiner. Nur wenige standen uns weiterhin nahe.

Die Pflegehelferin SRK – eine Entlastung für alle

Die Belastung war hoch, doch erst 2010 zog ich eine Unterstützung in Betracht. Mit seinen Pflegehelferinnen SRK greift das Schweizerische Rote Kreuz Kanton Aargau pflegenden Angehörigen unter die Arme. Erleichtert stellte ich fest, dass die Tarife für uns erschwinglich sind. So konnte ich für Rosemarie eine Betreuung zu Hause organisieren. Zuvor hatte ich diese Möglichkeit ausgeschlossen. Denn die verfügbaren privaten Entlastungsdienste konnten wir uns nicht leisten.

Seit drei Jahren schaut nun einen Tag pro Woche eine Pflegehelferin SRK bei Rosemarie vorbei. Sie kochen zusammen einfache Mahlzeiten, machen Schreibübungen, versorgen die saubere Wäsche oder räumen den Tisch ab. Meine Frau wird somit professionell betreut. Sie ist froh, dass ich ab und zu etwas unternehmen und meine Zeit frei einteilen kann. Und ich kann einfach mal loslassen. Ich nutze diese Stunden zum Arbeiten, da ich weiterhin im Auftragsverhältnis tätig bin. Oder ich gehe klettern: Das ist nach wie vor mein Lieblingshobby. Da ich meine Frau in guten Händen weiss, kann ich unbesorgt weggehen.

Ein langer Weg zurück in ein normales Leben

Heute ist unser Alltag gut organisiert. Neben der Pflegehelferin SRK kommt jeden Samstag ein Physiotherapeut vorbei, um mit Rosemarie zu arbeiten. Und einmal pro Woche wird das Haus von einer Reinigungshilfe geputzt. Ich stehe jeden Tag um 3 Uhr auf und erledige zunächst Haushaltarbeiten wie Waschen und Bügeln. Gegen 8 Uhr frühstücke ich mit meiner Frau. Danach arbeite ich bis Mittag in meinem Büro. Unterdessen macht Rosemarie ihre Physiotherapieübungen, liest die Zeitungen und ruht sich aus. Nachmittags gehen wir bei schönem Wetter gerne ein paar Schritte an die frische Luft. Gegen 17 Uhr wird es Zeit für das Abendessen. Meist schauen wir danach noch gemeinsam fern, am liebsten einen Krimi oder einen Tierfilm, bevor wir um 20 Uhr zu Bett gehen. Alles in allem führen wir ein fast gewöhnliches Leben.

Heute kann Rosemarie wieder normal sprechen, aus dem Rollstuhl aufstehen und ohne Stock ein paar Schritte gehen. Sie hat auch wieder gelernt zu schreiben und kann vor allem ohne Hilfe aus dem Bett aufstehen. Vor einigen Jahren war all das noch unvorstellbar. Dank professioneller Betreuung, unter anderem durch die Pflegehelferin SRK, vor allem aber dank ihrem starken Willen hat Rosemarie grosse Fortschritte gemacht. Und das in einem Alter, in dem die meisten Menschen zunehmend mit Einschränkungen zu kämpfen haben.»

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