Aus dem Leben pflegender Angehöriger

«Es ist ein schleichender Prozess»

Im Alter von 73 Jahren treten bei Giuseppe Rossi* erste gesundheitliche Probleme auf. 75-jährig erhält er die Diagnose Alzheimer-Demenz im Anfangsstadium. Seine Frau Maria Rossi* kümmert sich fortan um ihn und erzählt hier, wie sich dadurch ihr Leben verändert hat.

Zuerst seien gesundheitliche Probleme wie eine Niereninfektion und Diabetes gekommen und die Konzentration habe nachgelassen. Im Chor habe er die Liedtexte nicht mehr verstanden und mit 75 Jahren wurde ihm den Führerschein aufgrund der ungenügenden Reaktionsfähigkeit nicht mehr verlängert. Sie habe es nicht wahrhaben wollen, dachte: «Das gibt es doch einfach nicht!». Nachdem er zweimal schwer stürzte und in Spitalpflege kam, liess sich Giuseppe Rossi medizinisch abklären und erhielt die Diagnose Alzheimer-Demenz. 

Veränderungen

Danach verschlechterte sich sein Gesundheitszustand. Er gab seine Freizeitaktivitäten auf und selbst im Garten oder Haus mochte er immer weniger mithelfen. Er schlief viel und sass oft reglos im Sessel vor dem Fernseher. Er, der so ein aktiver Mensch gewesen war! «Damit habe ich lange Mühe gehabt, das hat mir immer wehgetan. Einfach das Daliegen und das Passive, ich dachte immer: ‚Das ist nicht mein Mann.‘», erzählt Maria Rossi.

Hilfe entgegennehmen

Mit der Zeit wurde er immer abhängiger. Als sie selber einen Schlaganfall erlitt und ins Spital musste, kümmerten sich Nachbarn und Freunde um Giuseppe Rossi, organisierten schliesslich die Spitex, die seither zweimal wöchentlich komme: «Dann kommt sein alter Charme hervor. Ich habe jeweils grosse Freude, wenn ich sehe, wie er lacht mit diesen Frauen. Das bringt für ihn eine Abwechslung. Das tut auch mir gut.» Zudem könne sie dann einkaufen gehen: «Ich kann ja sonst nicht weg, ich lasse ihn nicht alleine, weil ich nicht sicher bin.» Auch die Freundinnen würden sie in der Betreuung unterstützen.

Als sie dann umzogen (ein Lift war dringend nötig), habe das ihrem Mann viel Mühe bereitet. Er könne sich nicht mehr orientieren, wolle immer wieder «nach Hause» und laufe weg. Die Einschränkungen nehmen immer mehr zu, er könne sich nicht mehr selbstständig ankleiden, vermöge Gesprächen nicht mehr zu folgen und reagiere sehr empfindlich auf Lärm. An manchen Tagen wolle er nicht einmal aufstehen, sei deprimiert und reagiere, entgegen seinem früheren Wesen, unduldsam auf laute Äusserungen. «Normal ist das ja nicht, noch nie gewesen in seinem Leben. Aber jetzt mit der Krankheit … Einfach immer Ruhe bewahren.»

* Namen wurden geändert

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