Älter werden

Viele Menschen werden heutzutage über 80 oder 90 Jahre alt. Einige bleiben bis ins hohe Alter gesund, bei anderen treten gesundheitliche Probleme auf. Da wir alle immer älter werden, ist es hilfreich, sich zum richtigen Zeitpunkt auf den letzten Lebensabschnitt vorzubereiten.

Älter werden – mehr Zeit für sich selbst

Im Ruhestand haben Sie viel Zeit für sich selbst. Nutzen Sie diesen Freiraum, um sich einen lang gehegten Traum zu erfüllen. Und schenken Sie Ihren sozialen Kontakten noch mehr Aufmerksamkeit.

Die Jahre nach der Pensionierung sind eine gute Gelegenheit, um sich geistig, sozial und spirituell weiterzuentwickeln. Möchten Sie nochmals eine Fremdsprache lernen? Oder einen Computerkurs besuchen? Haben Sie schon lange einen Traum, den Sie sich jetzt erfüllen möchten? Viele Menschen engagieren sich freiwillig nach der Pensionierung. Auch Sie können beispielsweise Kinder betreuen, die keine Grosseltern haben. Oder vielleicht fahren Sie gut Auto und möchten sich im Fahrdienst des SRK engagieren? Vielseitige Aktivitäten bringen Abwechslung in den Alltag und ermöglichen bereichernde soziale Kontakte.

Allerdings ist es nicht immer einfach, das Gleichgewicht zwischen Aktivität und Musse zu finden. Hin und wieder sollten Sie sich eine Auszeit gönnen und dem Alltag den Rücken kehren. So gewinnen Sie Abstand zu Ihrer Tätigkeit und können Ihre Batterien aufladen.

Soziale Kontakte

Berufstätige Menschen begegnen täglich vielen Mitmenschen. Im Lauf der Jahre verändert sich das Beziehungsnetz: Die Kinder ziehen aus und führen ihr eigenes Leben. Es folgt die Zeit des Ruhestands. Die eigenen Eltern werden älter und sterben, später auch Freunde. Wer sozialen Kontakte nicht pflegt und gar erweitert, läuft Gefahr, dass das Beziehungsnetz im Alter immer kleiner wird. Älteren Menschen fällt es auch schwerer, neue Bekanntschaften zu machen und Freundschaften zu schliessen. Bemühen Sie sich deshalb aktiv um soziale Kontakte und pflegen Sie Ihr Beziehungsnetz bewusst. 

Älter werden – körperliche Veränderungen

Der menschliche Körper verändert sich im Alter. Diese Veränderungen sind unausweichlich. Nehmen Sie sie an und beugen Sie vor.

Wenn das Gehör nachlässt

Im Alter nimmt das Hörvermögen allmählich ab. Versuchen Sie nicht, sich damit zu arrangieren, sondern handeln Sie unverzüglich! Mit den heutigen Hörhilfen lässt sich eine Schwerhörigkeit weitgehend korrigieren – insbesondere dann, wenn Sie sich frühzeitig an das Tragen eines Hörgeräts gewöhnen. Machen Sie sich keine Sorgen über die damit verbundenen Kosten: Zumindest einen Teil davon übernimmt die AHV.

Das Hörvermögen und damit verbunden die Fähigkeit, seine Mitmenschen zu verstehen, hat einen entscheidenden Einfluss auf die Lebensqualität. Eine starke Schwerhörigkeit erschwert die Kommunikation – für die betroffene Person ebenso wie für die Gesprächspartner. Oft führt dies zu Abkapselung, Kontaktarmut, Isolation und Einsamkeit.

In den meisten Fällen nimmt das Hörvermögen allmählich und beidseitig ab. Verschlechtert es sich plötzlich, sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären.

Wenn die Sehkraft abnimmt

Im Alter lässt auch das Sehvermögen nach. Viele altersbedingte Sehstörungen (Altersweitsichtigkeit, grauer Star) lassen sich zum Glück behandeln und teilweise oder vollständig korrigieren. Eine frühzeitig Diagnose erhöht die Heilungschancen. Deshalb ist es wichtig, regelmässig den Augenarzt aufzusuchen und selbst auf Veränderungen zu achten. Die altersbedingte Makuladegeneration hingegen ist unheilbar. Trotzdem ist es wichtig, dass sie frühzeitig erkannt wird. So bleibt ausreichend Zeit, um sich an den Verlust der Sehkraft und die Benutzung der Hilfsmittel zu gewöhnen.

Alter und Schlaf

Wer gut schläft, kann sich glücklich schätzen. Bei den meisten Menschen nimmt die Qualität des Schlafs im Alter ab. Die Schlafphasen werden kürzer, und ältere Menschen schlafen weniger tief, wodurch ihr Schlaf schneller gestört wird. Doch auch im fortgeschrittenen Alter sind Schlafprobleme nicht einfach Schicksal. Die Schlafqualität wird weitgehend durch die Aktivitäten während des Tages, die Ernährung, die körperliche Bewegung, die empfundene Müdigkeit und den aktuellen Stress bestimmt.
Beachten Sie die folgenden Tipps für einen besseren Schlaf:

  • Achten Sie darauf, dass Sie immer etwa zur gleichen Zeit schlafen gehen und aufstehen.
  • Gewöhnen Sie sich ein Einschlafritual an.
  • Achten Sie darauf, dass es in Ihrem Schlafzimmer nicht zu warm ist.
  • Lüften Sie Ihr Schlafzimmer vor dem Schlafengehen.
  • Schlafen Sie am Mittag nicht länger als eine halbe Stunde.
  • Beschäftigen Sie sich tagsüber ausreichend.
  • Achten Sie auf ein leichtes, gut verdauliches Abendessen.

Medikamente gegen Schlafstörungen sollten nur in Absprache mit dem Arzt oder Apotheker eingenommen werden. Ungeeignete oder schlecht dosierte Schlafmittel und Medikamente, die ohne ärztliche Verschreibung eingenommen werden, können zu einer Abhängigkeit führen. Sie können auch Nebenwirkungen haben, die gesundheitsschädlich oder mit einem Unfallrisiko (Stürze!) verbunden sind.

Das Herz-Kreislauf-System

Bei vielen Menschen treten in der zweiten Lebenshälfte Herz-Kreislauf-Krankheiten auf. Diese können die Lebensqualität stark beeinträchtigen oder sogar zum Tod führen. Einige Menschen sind genetisch für diese Krankheiten prädisponiert. Dennoch spielen Ernährung, körperliche Bewegung und die Lebensweise eine entscheidende Rolle für die Gesundheit unseres Herzens und unserer Gefässe. Mittlerweile sind zahlreiche kardiovaskuläre Risikofaktoren bekannt und nachgewiesen. Daher ist es wichtig, Krankheiten vorzubeugen und auf Warnzeichen zu achten.

Blasenprobleme

Ab einem gewissen Alter ist Harninkontinenz bei Frauen und Männern ein weit verbreitetes Problem. Sie äussert sich beispielsweise im ungewollten oder unbemerkten Abgang von einigen Tropfen oder einer grösseren Menge Urin. Am Anfang tritt dies beim Lachen, beim Husten oder beim Heben von schweren Gegenständen auf, später auch bei alltäglichen Verrichtungen. Sobald die ersten Symptome festgestellt werden, müssen die Ursachen der Inkontinenz abgeklärt werden. Inkontinenz lässt sich behandeln.

Mentale Krankheiten

Eine ganze Reihe von mentalen Erkrankungen äussert sich in einer Beeinträchtigung der geistigen Beweglichkeit und Leistungsfähigkeit (=Demenz). Zu den verbreitetsten Formen gehört die Alzheimer-Krankheit. Falls Sie bei sich selbst oder bei Angehörigen entsprechende Anzeichen feststellen, muss unbedingt ein Arzt aufgesucht werden. Nur mit einer medizinischen Untersuchung lässt sich feststellen, ob es sich um eine Demenz, eine psychische Erkrankung (beispielsweise Depressionen) oder um eine altersbedingte Einschränkung (beispielsweise. Schwerhörigkeit) handelt. 

Bewegung hält fit

Ab einem gewissen Alter trägt regelmässige körperliche Bewegung entscheidend zur Lebensqualität bei. Ein beweglicher und trainierter Körper ist eine der Voraussetzungen für ein selbstständiges Leben.

Ältere Menschen sollten täglich oder mindestens dreimal pro Woche körperlich aktiv sein. In der Regelmässigkeit liegt der Schlüssel zum Erfolg. Es ist gut, hin und wieder an seine Grenzen zu gehen. Doch Sie sollten es nicht übertreiben und sich nicht bis zur Erschöpfung verausgaben. Bewegen Sie sich täglich mindestens eine halbe Stunde lang so, dass Sie ins Schwitzen kommen und tief durchatmen müssen! Während des Trainings sollten Sie sich noch mit jemandem unterhalten können, ohne ausser Atem zu geraten. Wenn Sie nicht mehr genug Luft zum Reden haben, strengen Sie sich zu stark an.

Am besten wechseln Sie zwischen verschiedenen Aktivitäten ab. Zügiges Gehen, Nordic Walking oder Aquafit sind beispielsweise ideal für Seniorinnen und Senioren, da diese Sportarten die Gelenke und die Wirbelsäule schonen. Zudem erfordern sie keine besonderen Fähigkeiten.

Auch mit Gartenarbeiten, alltäglichen Aktivitäten (z.B. Einkäufe zu Fuss erledigen, Treppen steigen) oder Training auf einem Hometrainer lassen sich Beweglichkeit und Ausdauer stark verbessern. Wählen Sie Aktivitäten, die Ihnen Spass bereiten.

Eine eingeschränkte Mobilität ist keine zwangsläufige Folge des Älterwerdens: Sie ist vor allem auf mangelnde Bewegung zurückzuführen. Zahlreiche Krankheiten wie Arthrose, Osteoporose, Verdauungsprobleme, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Atemwegserkrankungen lassen sich mit genügend Bewegung verhindern oder zumindest eindämmen. 

Machen Sie mit! Übungen für mehr Kraft und Gleichgewicht (externer Link)

Selbstständig bleiben dank einem gut trainierten Gehirn

Tragen Sie auch Ihrem Gehirn Sorge, das bis ins hohe Alter eine erstaunliche Lernfähigkeit bewahrt. Ein gut trainiertes Gehirn ermöglicht Selbstständigkeit auch im hohen Alter.

Bleiben Sie neugierig und offen für Neues. Wo liegen Ihre Stärken? Was würde Ihnen richtig Spass machen oder welche Herausforderungen möchten Sie gerne noch annehmen? Warum nicht eine Fremdsprache erlernen? Oder möchten Sie lieber eine Sammlung aufbauen? Auch Spiele, Kreuzworträtsel oder Sudoku eignen sich hervorragend für das Gehirnjogging.

Im Vergleich zu einer Maschine funktioniert unser Gehirn genau umgekehrt: Je mehr anspruchsvolle Aufgaben es erledigen muss, desto leistungsfähiger wird es. Doch im Alter lernt man nicht mehr gleich einfach wie früher. Beachten Sie deshalb folgende Punkte:

  • Ernähren Sie sich ausgewogen und trinken Sie genügend.
  • Bewegen Sie sich ausreichend: So bringen Sie Ihr Gehirn in Schwung und verbessern Ihr Gedächtnis.
  • Nutzen Sie verschiedene Lernmöglichkeiten: Zuhören, Lesen, Vorzeigen usw. So baut das Gehirn neue Verbindungen auf.
  • Wenn Sie sich etwas gut merken möchten, lesen Sie es laut vor. Fassen Sie anschliessend den Inhalt für jemanden zusammen und erklären Sie der Person, was Sie gelesen haben.
  • Wenn Ihnen jemand zeigt, wie ein Gerät funktioniert, machen Sie sich von jedem Schritt Notizen in Ihren eigenen Worte. So können Sie bei Bedarf auf Ihre Aufzeichnungen zurückgreifen.

Altersgerecht wohnen

Stimmen Sie Ihre Wohnung auf Ihre Bedürfnisse und Ihre Lebensweise ab. Überprüfen Sie regelmässig, ob die Wohnung noch Ihrer Lebenssituation entspricht oder ob Anpassungen nötig sind.

Nach Möglichkeit sollte nicht zugewartet werden, bis es unumgänglich wird, in eine andere Wohnung umzuziehen, die den (neuen) Bedürfnissen und der aktuellen Lebensweise entspricht. Denn das Einleben an einen neuen Ort ist immer einfacher, wenn man noch die Kraft und den Mut dazu hat. Wohnen im Alter bietet viele Möglichkeiten. Als Erstes sollten Sie sich über die verschiedenen Wohnformen informieren.

Eine altersgerechtere Wohnung

Klären Sie zuerst ab, ob im selben Gebäude (beispielsweise im Erdgeschoss), in Ihrem Quartier oder Ihrem Dorf eine Wohnung frei ist, die Ihren Bedürfnissen besser entspricht (z. B. kleiner, praktischer und komfortabler). So können Sie weiterhin in Ihrer vertrauten Umgebung wohnen und Ihr Beziehungsnetz behalten.

Nahe bei den Angehörigen

Es hat verschiedene Vorteile, wenn Sie in der gleichen Wohnung oder im gleichen Gebäude wie Ihre Angehörigen oder zumindest in deren Nähe wohnen können:

  • Sie können rasch um Hilfe beten oder auch Hilfe anbieten (z.B. Blumen giessen während den Ferien).
  • Sie können sich öfters und unkompliziert sehen. Das vermittelt ein Gefühl von Nähe.
  • Ihre Angehörigen in Ihrer Nähe zu wissen vermittelt ein Gefühl von Sicherheit.

Wohngemeinschaften

In einer WG teilen Sie eine grosse Wohnung mit einer anderen Person (einem anderen älteren Menschen, einem Studenten usw.). Jeder verfügt über seinen privaten Bereich. Mit etwas Rücksicht und Toleranz kann dies eine sehr interessante und bereichernde Lösung sein.

Alterssiedlungen

Einige Genossenschaften kaufen oder errichten Anlagen mit Seniorenwohnungen. Diese Wohnform bietet eine gewisse Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Zugleich bestehen verschiedene Kontaktmöglichkeiten – vor allem in den Gemeinschaftsräumen – mit anderen Seniorinnen und Senioren.

An ein Heim angegliederte Wohnungen

Bei diesem Modell handelt es sich in der Regel um kleine Wohnungen (zwei Zimmer) für ältere oder behinderte Menschen. Sie richten Ihre Wohnung mit Ihren eigenen Möbeln ein, können aber auf Wunsch Mahlzeiten im nahegelegenen Pflegeheim einnehmen. Bei Bedarf können Sie auch weitere Leistungen in Anspruch nehmen.

Senioren-Wohngemeinschaften

Mehrere ältere Personen leben gemeinsam in einem Haus und können bei Bedarf gewisse Betreuungsleistungen in Anspruch nehmen. Jede Person verfügt über ein eigenes Zimmer (idealerweise mit eigenem Bad) und teilt die sonstigen Wohnräume und die Küche mit den Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern. Die alltäglichen Verrichtungen und Beschäftigungen werden gemeinsam organisiert und durchgeführt (Einkaufen, Kochen, Haushaltarbeiten, Wäsche, Gespräche, Ausflüge, Spiele usw.). Das Zusammenleben erfordert eine gewisse Toleranz.

In einer Familie wohnen

Sie nehmen nach Belieben am Familienleben teil und können Pflege- und Betreuungsleistungen in Anspruch nehmen. In der Regel verfügt die für die Betreuung verantwortliche Person über Grundkenntnisse in Pflege und Betreuung. Für die Pflege der betreuten Person besteht Anspruch auf eine Entschädigung.

Umzug in den Süden

Reizt Sie der Gedanke, dem schlechten Wetter und der Kälte in der Schweiz endgültig den Rücken zu kehren? Bevor Sie sich zu diesem Schritt entschliessen, sollten Sie unbedingt einige Punkte klären:

  • Beherrschen Sie die lokale Sprache?
  • Welche Kontaktmöglichkeiten hätten Sie an Ihrem neuen Wohnort?
  • Welche finanziellen Auswirkungen hätte die Verlegung des Wohnsitzes?
  • Wie steht es mit dem Versicherungsschutz im Krankheitsfall, den Pflege- und Betreuungsleistungen, den verfügbaren Spitalleistungen usw.?

Diese Überlegungen sollten Sie auch anstellen, wenn Sie sich in der Schweiz in einer anderen Sprachregion niederlassen möchten. Einen idyllischen Ort, den Sie von Ihren Ferien kennen, werden Sie im Alltag unter Umständen ganz anders erleben. 

Wenn die Eltern älter werden

Irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem die eigenen Eltern auf Betreuung durch ihre Kinder angewiesen sind. Dieser Rollentausch kann sehr schwierig sein. Es hilft, wenn in der Familie offen darüber gesprochen wird.

Unsere Eltern haben sich seit unserer Geburt um uns gekümmert. Das fortgeschrittene Alter, eine Demenz oder der Verlust der Selbstständigkeit können nach und nach zu einem Rollentausch zwischen Eltern und Kindern führen. Nun benötigen die Eltern unsere Unterstützung, um den Alltag zu bewältigen. Sie verlassen sich auch auf uns, ohne uns «zur Last fallen» zu wollen. Diese Lebensphase ist für die Eltern nicht einfach. Sie kann zum Verlust des Selbstvertrauens führen. Auch kann das Gefühl entstehen, seine Würde zu verlieren. Die Eltern sind zwar dankbar für die erhaltene Unterstützung, können aber eine gewisse Verbitterung empfinden. Viele Diskussionen in der Familie enden dann mit dem Satz: «Behandle mich nicht wie ein Kind.»

Das Altern der Eltern mitzuerleben ist auch für die Kinder nicht einfach. Zum einen erinnert es uns daran, dass auch wir älter werden. Zum anderen löst es gewisse Ängste hinsichtlich der Zukunft aus. Von nun an sind wir nicht mehr nur für uns selbst, sondern auch für unsere Eltern verantwortlich – neben den eigenen Kindern und Enkelkindern. Folgende Fragen können auftauchen: Welche Unterstützung kann oder muss ich meinen Eltern bieten? Wie weit kann ich sie betreuen, ohne sie wie Kinder zu behandeln? Soll ich mich einmischen oder sie einfach machen lassen? Wie kann ich ihnen helfen, selbstständig zu bleiben, so dass sie sich wohlfühlen? Häufig entwickeln sich bei betreuenden Angehörigen Schuldgefühle, weil sie sich zur Hilfe «verpflichtet» fühlen oder den Eindruck haben, sie müssten die Eltern noch mehr unterstützen.

Eine solche Entwicklung und die gemischten Gefühle, die der Rollentausch auslöst, sind völlig normal. Diese Gefühle sollten nicht ignoriert, sondern in der Familie offen angesprochen werden. Nur so lassen sich Massnahmen treffen und die nächsten Jahre planen, die zahlreiche Veränderungen mit sich bringen werden. 

Die Selbstständigkeit der älter werdender Eltern fördern

Mit dem Älter werden sind unsere Eltern unter Umständen verstärkt auf uns angewiesen. Es ist wichtig, eine geeignete Form der Unterstützung zu finden. Im Idealfall helfen Sie ihnen, möglichst lange selbstständig zu bleiben.

  • Überlegen Sie sich, ob die Wohnsituation an die neuen Bedürfnisse der Eltern angepasst werden könnte (beispielsweise durch einen Umzug in eine Wohnung im Erdgeschoss).
  • Helfen Sie Ihren Eltern, die Wohnung nach ihren Bedürfnissen einzurichten und gewisse Sicherheitsmassnahmen zu treffen, um Stürze zu vermeiden (beispielsweise durch das Anbringen einer rutschfesten Matte in der Dusche).
  • Fordern Sie Ihre Eltern auf, sich bei Bedarf möglichst frühzeitig Hilfsmittel zu beschaffen (beispielsweise ein Hörgerät).
  • Ermuntern Sie Ihre Eltern, ihre körperliche und geistige Leistungsfähigkeit zu trainieren und ihre sozialen Kontakte zu pflegen.
  • Achten Sie auf allfällige Veränderungen, die auf eine schwere Krankheit hindeuten. Werden solche Erkrankungen frühzeitig erkannt, lassen sie sich besser behandeln.
  • Schlagen Sie Ihren Eltern vor, im Alltag externe Unterstützung in Anspruch zu nehmen (Spitex, Fahrdienst, Rotkreuz-Notruf usw.).
  • Unterstützen Sie Ihre Eltern ausreichend, aber nicht mehr als nötig! Achten Sie darauf, dass Ihre Eltern alle Aufgaben selbstständig erledigen, zu welchen sie noch in der Lage sind. 

Patientenverfügung – damit Ihr Wille zählt

Möchten Sie im Voraus festlegen, wie Sie bei Krankheit oder Unfall behandelt werden wollen? Mit einer Patientenverfügung können Sie sicherstellen, dass Ihr Wille respektiert wird.

In der Patientenverfügung legen Sie fest, welche medizinische Behandlungen Sie erhalten möchten und welche Massnahmen zu unterlassen sind, sollten Sie bei einer Krankheit oder nach einem Unfall nicht mehr urteilsfähig sein. Die Ärztinnen und Ärzte müssen sich an die Anweisungen in Ihrer Patientenverfügung halten. Eine Patientenverfügung bietet Ihnen mehrere Vorteile:

  • Sie machen sich Gedanken, was Sie wirklich wollen, und halten anschliessend Ihren Willen schriftlich fest.
  • Sie können beruhigt sein, weil Sie wissen, dass Ihre Wünsche berücksichtigt werden.
  • Sie nehmen Ihren Angehörigen diese schwierigen Entscheidungen ab und entlasten sie damit.

Es gibt zahlreiche vorgedruckte Formulare, die Sie für Ihre Patientenverfügung verwenden können. Das Dokument des Schweizerischen Roten Kreuzes bietet den Vorteil, dass es sehr detailliert formuliert und deshalb besonders zweckmässig ist. Es kann im Internet heruntergeladen werden. Sie können sich beim Ausfüllen auch beraten lassen. Gemeinsam mit der Beraterin oder dem Berater machen Sie sich Gedanken zu Ihren Bedürfnissen. Danach wird das Formular nach Ihren Wünschen ausgefüllt. So haben Sie Gewissheit, dass die Patientenverfügung wirklich Ihrem Willen entspricht und für die Ärztinnen und Ärzte verständlich ist. Anschliessend können Sie das Dokument beim SRK hinterlegen, wo es von den medizinischen Teams rund um die Uhr abgerufen werden kann. 

Tipps gegen Einsamkeit - Neue Wege gehen

Niemand kann sich in die Einsamkeit eines anderen Menschen hineinfühlen. Es ist ein subjektiv empfundenes Gefühl. Eine einzige Ursache für das Entstehen von Einsamkeit gibt es nicht – aber verschiedene Möglichkeiten, ihr zu entfliehen.

Lässt man beim Wort «gemeinsam» die ersten drei Buchstaben weg, wird daraus «einsam». Vielleicht, weil sich nur einsam fühlt, wer weiss, dass andere in einer Gemeinschaft aufgehoben sind? Doch wer allein ist, fühlt sich nicht zwangsläufig auch einsam. In jedem Fall wird die tatsächliche Einsamkeit als belastend erlebt. Deshalb möchte man etwas dagegen tun, auch wenn der Ausweg nicht einfach erscheint. Suchen Sie den Weg, der am besten zu Ihnen passt. Und trauen Sie sich mehr zu als sonst.

Vorschläge und Empfehlungen

  • Behandeln Sie sich selber gut: Decken Sie auch für sich alleine den Tisch schön, kochen Sie ein feines Menu und verwöhnen Sie sich.
  • Werden Sie sich klar über Ihre Bedürfnisse und Ziele. Machen Sie eine Liste.
  • Suchen Sie nach einem neuen Hobby. Probieren Sie Neues aus. Kaufen Sie sich z.B. eine Spielkonsole, die Sie am Fernseher anschliessen können. Es gibt ein breites Angebot an Spielen für jeden Geschmack – auch für Frauen (z.B. Gedächtnistraining, Geschicklichkeitsspiele, strategische Spiele, Tanztraining, Gesang usw.).
  • Verzichten Sie nicht auf den Besuch einer Veranstaltung, nur weil niemand Sie begleitet. Gehen Sie allein ins Kino oder an ein Konzert. Solche Erlebnisse sorgen auch für neuen Gesprächsstoff.
  • Pflegen Sie Kontakte: Laden Sie Nachbaren, Bekannte und Familien ein. Zeigen Sie Interesse am Leben anderer.
  • Schenken Sie Ihre Zeit und Ihr Wissen. Fragen Sie beim Roten Kreuz Ihrer Region nach Möglichkeiten für Freiwilligenarbeit oder suchen Sie nach eigenen Ideen, wie z.B. Nachbarschaftshilfe oder Nachhilfeunterricht für Schulkinder.
  • Schliessen Sie sich einer Gruppe an. Beachten Sie Kursangebote, Aktivitäten von Vereinen, Sportclubs, der Gemeinde, der Kirche etc.
  • Stellen Sie keine zu hohen Erwartungen an Ihre Umwelt. Seien Sie nachsichtig, wenn andere einmal keine Zeit haben. Mit der einen Person können Sie vielleicht spazieren gehen und mit der anderen gute Gespräche führen.
  • Suchen Sie professionelle Hilfe, wenn nichts Ihre Einsamkeit lindert. Ihr Hausarzt oder diverse Fachstellen kennen Therapieadressen.

Besondere Empfehlungen für ältere Menschen

  • Behalten Sie auch im Alter Ihre Offenheit und das Interesse an anderen und am Leben.
  • Lassen Sie sich zeigen, wie ein Computer und das Internet funktionieren. Es gibt spezielle Kurse für ältere Menschen, wenn Sie unter ihren Verwandten niemanden haben, der Ihnen helfen kann. Gerade für Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, bietet das Internet viele gute Lösungen. Besuchen Sie zum Beispiel ein virtuelles Forum für Senioren und finden Sie so Gleichgesinnte.
  • Besuchen Sie die Senioren-Universität.
  • Bieten Sie Ihre Dienste als «Leih-Grossmutter/-Grossvater» an.
  • Schreiben Sie Ihre Lebensgeschichte nieder.
  • Legen Sie sich ein geeignetes Haustier zu.

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