Pflege und Betreuung zu Hause

Viele Menschen möchten so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung leben. Zu Hause betreut werden und sein bedeutet für sie Sicherheit, Wohlbefinden und ein wichtiges Stück Lebensqualität. Doch die Anstrengungen der Betreuung gehen häufig auf Kosten der Gesundheit der pflegenden Angehörigen. Sorgen Sie vor.

Ein Familienmitglied pflegen, ja oder nein?

Ist eine Person in Ihrer Familie oder in Ihrem Umfeld auf Unterstützung angewiesen und Sie möchten sie betreuen? Treffen Sie diese Entscheidung wohlüberlegt.

Wenn ein Familienmitglied erkrankt oder eine ältere Person immer mehr Unterstützung benötigt, engagieren sich oft die Angehörigen. Die Betreuung einer älteren, kranken oder behinderten Person hat jedoch erhebliche Auswirkungen auf die Gesundheit, das Sozialleben, die Familie und das Einkommen der pflegenden Angehörigen. In dieser Situation machen beide Seiten unterschiedliche Erfahrungen, die genauso bereichernd wie schwierig sein können.

Stellen Sie sich folgende Fragen, die Ihnen bei der Entscheidung helfen können, ob Sie diese Aufgabe übernehmen möchten:

  • Welche Art von Betreuung und Pflege wünscht die Person?
  • Wie wird sich diese Aufgabe auf Ihren Alltag und Ihr Familienleben auswirken?
  • Welche Möglichkeiten und Grenzen haben Sie?
  • Wer löst Sie während den Ferien und in der Freizeit ab?
  • Welche Vereinbarungen lassen sich treffen, um Sie finanziell zu entschädigen?
  • Überlegen Sie auch, welche anderen Aufgaben Sie neben der Betreuung haben. Wie organisieren Sie den Tag?
  • Auf welche finanziellen Mittel hat die betreute Person Anspruch: Krankenkasse, Hilflosenentschädigung oder Ergänzungsleistungen?
  • Wie lässt sich die Wohnung umgestalten?

Sind diese Fragen besprochen und detailliert geregelt, kann eine Betreuung ins Auge gefasst werden.

Mögliche Schwierigkeiten

Eine längerfristige Pflege und Betreuung kann mit Schwierigkeiten verbunden sein. Zum Beispiel, wenn:

  • die pflegende Person weitere Verpflichtungen hat (z.B. kleine Kinder, Berufstätigkeit).
  • die Aufgabe ihre Kräfte übersteigt (gesundheitliche Probleme, psychische Instabilität, grosse geografische Distanz, zu kleine Wohnung usw.).
  • die Beziehung zur älteren Person bereits angespannt ist oder schwieriger werden kann.
  • wenn finanzielle Interessen im Spiel sind.
  • sich die pflegende Person verpflichtet fühlt, eine Zusage einzuhalten, die unter anderen Umständen abgegeben wurde.

Meist wird die Pflege mit der Zeit immer anspruchsvoller und erfordert einen vermehrten körperlichen und psychischen Einsatz. Dadurch kann sich die Beziehung zwischen der pflegenden und der gepflegten Person verändern. Besonders hohe Anforderungen stellt die Pflege eines Familienmitglieds mit Demenz. Je fortgeschrittener die Krankheit ist, desto stärker verliert dieser Mensch seine kognitiven Fähigkeiten und seine Selbstständigkeit. Dadurch lockert sich die soziale und emotionale Bindung zwischen der pflegenden und der erkrankten Person. Für die Angehörigen ist diese Entwicklung sehr belastend. Um die Betreuung einer pflegebedürftigen Person zu gewährleisten, muss längerfristig professionelle Unterstützung in Anspruch genommen werden.

Die Wohnung optimal einrichten

Mit einfachen Anpassungen lässt sich die Wohnung sicherer und komfortabler gestalten und die Selbstständigkeit der darin lebenden Person verbessern. Neben Hilfsmitteln stehen auch Entlastungsdienste zur Verfügung.

Stufen und Treppen

Ein zusätzliches Geländer oben an der Treppe hilft beim Überwinden der obersten Stufe. Lassen Sie rutschige oder unebene Stufen reparieren.

Beleuchtung

Achten Sie auf gute Beleuchtung in der ganzen Wohnung (bei Zeitschaltern die Einschaltdauer verlängern).

Türglocke/Eingangstür

Stellen Sie die Glocke so ein, dass sie gut hörbar ist, oder lassen Sie ein optisches Signal installieren. Hilfreich ist auch eine Gegensprechanlage, deren Lautstärke richtig eingestellt werden kann.

Türen

Es ist ratsam, Schwellen zu beseitigen und die Türen auf mindestens 80 cm zu verbreitern (damit ein Stock oder Rollstuhl benutzt werden kann).

Bodenbelag

Schuhe mit rutschfesten Sohlen oder ein gut fixierter Teppich bieten auf glatten Böden Sicherheit. Auf Läufer und Bettvorleger verzichten oder sie mit einem Gleitschutz absichern. Strom- und Telefonkabel befestigen, damit sie nicht zu Stolperfallen werden.

Möbel

Möbel entfernen, die zu Stürzen oder Verletzungen führen können (vorstehende Teile, scharfe Kanten, Ecken).

Einrichtung der Küche

Die täglich benutzten Sachen müssen in der richtigen Höhe untergebracht werden. Bei eingeschränkter Mobilität und abnehmender Kraft elektrische Haushaltgeräte anschaffen. Es gibt heute zahlreiche Elektrogeräte und -artikel mit hohem Bedienkomfort: Öfen, Pfannen, Scheren, Büchsenöffner, Staubsauger usw.

Badezimmer/WC

Neben der Erhöhung des Toilettensitzes besteht auch die Möglichkeit, an der Wand Haltegriffe oder -stangen anzubringen. Wasserhähne müssen sich einfach öffnen und schliessen lassen. Die Badewanne mit einem Wannen- oder Hebesitz ausstatten. Darauf achten, dass die rutschhemmende Matte in der Wanne gut haftet.

Notrufsystem

Allein lebende oder gesundheitlich beeinträchtige Personen können mit einem Rotkreuz-Notrufgerät ausgestattet werden. Im Notfall braucht nur die am Handgelenk getragene Alarmtaste gedrückt zu werden, um Hilfe anzufordern. 

Für Wohlbefinden sorgen

Die Betreuung einer pflegebedürftigen Person beschränkt sich nicht auf die Pflege, sondern umfasst auch die Gestaltung des Alltags, um diesen erträglicher zu machen.

Es braucht wenig, um das Wohlbefinden zu steigern: das Radio oder der Fernseher in Reichweite, ein Blumenstrauss, ein Bild, interessanter Lesestoff. Hatte die betreute Person vielleicht ein Hobby, das sich an ihre neuen Lebensumstände anpassen lässt? Gemeinsam finden Sie die beste Möglichkeit, den Alltag zufriedenstellend zu gestalten. Wichtig sind jedoch folgende Punkte:

  • Die Beziehung zwischen gepflegter und pflegender Person muss von Respekt geprägt sein.
  • Bringen Sie Lebensfreude in den Alltag.
  • Erhalten und fördern Sie nach Möglichkeit die Selbstständigkeit.
  • Fragen Sie die gepflegte Person, welche Form von Betreuung sie wünscht. Sie bestimmt den Tagesablauf mit.

Die Beziehung pflegen

Es lohnt sich, Probleme offen anzusprechen, wenn sie die Beziehung zwischen gepflegter und pflegender Person beeinträchtigen. Das ist zwar nicht einfach, doch wenn einige Regeln beachtet werden, wird das Gespräch erfolgreich verlaufen: Sprechen Sie in der Ich-Form, äussern Sie Ihre Gefühle und veranschaulichen Sie diese mit verständlichen Beispielen. Hören Sie Ihrem Gegenüber zu und fragen Sie nach, wenn Sie etwas nicht verstanden haben. Die Anwesenheit einer neutralen, vertrauenswürdigen Person kann die Kommunikation erleichtern.

Selbstständigkeit erhalten

Am einen Tag kann die betreute Person bestimmte Aufgaben vielleicht alleine ausführen, am folgenden Tag fällt ihr dies schwer… Fragen Sie nach, ob und wann sie Ihre Hilfe benötigt. Konzentrieren Sie sich nicht auf die Einschränkungen, sondern auf das, was noch möglich ist. Durch Ihre positive Haltung schaffen Sie eine aufmunternde Atmosphäre. Alles, was die Person noch selbst tun kann, sollte sie übernehmen. Das stärkt ihr Selbstwertgefühl.

Umgang mit Aggressivität

Aggressivität entsteht oft aus einem Gefühl von Überforderung. Besonders Menschen mit Demenz können davon betroffen sein.

Die Aggressivität der betreuten Person wirkt sich negativ auf die Pflegequalität aus. Die Organisation der Betreuung ist erschwert, der Elan und die Gemütsverfassung der pflegenden Angehörigen werden beeinträchtigt. Um mit Aggressivität umgehen zu können, ist es wichtig, die Gründe für dieses Verhalten zu verstehen. Wer seine Abhängigkeit nur schwer erträgt, sich unverstanden fühlt oder starke körperliche Schmerzen hat, kann gereizt reagieren, sich ereifern oder unter Umständen gar handgreiflich werden.

Allgemein gilt:

  • Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und weder Erschrecken noch Angst zu zeigen.
  • Versuchen Sie, der Ursache auf den Grund zu gehen, um sie künftig zu vermeiden.
  • Falls jemand wiederholt gewalttätig wird, sollten Sie Hilfe anfordern. Sprechen Sie mit einer Vertrauensperson und bitten Sie Ihren Arzt um Rat.

Misshandlung der betreuten Person

Manchmal verhält sich eine pflegebedürftige Person aggressiv gegenüber den pflegenden Angehörigen. Doch auch die umgekehrte Situation kommt vor. Atempausen und Ausbildung können helfen, Übergriffen vorzubeugen.

Gemäss der Weltgesundheitsorganisation ist Misshandlung eine bewusste oder unbewusste Handlung oder Unterlassung. Im letzteren Fall spricht man meist von Vernachlässigung. Ein Mensch kann körperlich oder psychisch misshandelt werden, vor allem durch verbale Demütigung. Auch auf der finanziellen oder materiellen Ebene sind Übergriffe möglich. Misshandlungen führen in jeden Fall zu unnötigem Leid und Schmerz, verstossen gegen die Menschenrechte und beeinträchtigen die Lebensqualität von Menschen.

Misshandlungen können verschiedene Ursachen haben. Zur Vorbeugung ist es wichtig, Überlastungssituationen zu vermeiden. Eine Studie hat gezeigt, dass pflegende Angehörige besser in der Lage sind, schwierige Situationen zu bewältigen und angemessen zu reagieren, wenn sie sich ausbilden lassen. Bitte beachten Sie folgendes:

  • Es ist wichtig, sich genügend lange Pausen zu gönnen. Während den Pausen können Sie sich von einem Familienmitglied oder einem spezialisierten Dienst vertreten lassen. 
  • Die Betreuung und Pflege eines Angehörigen ist belastend, sowohl körperlich als auch psychisch. Es braucht Anstrengungen und Energie, um miteinander klar zu kommunizieren und sich gegenseitig zu verstehen. Doch nur so kann die Beziehung für beide Seiten stimmen. Auftretende Spannungen sollten offen angegangen werden. Sprechen Sie mit Ihrer Familie, mit Freunden, in einer Selbsthilfegruppe oder mit einer Fachperson über das, was Sie bedrückt. 

Der eigenen Gesundheit Sorge tragen

Nur wenn Sie selbst gesund sind, können Sie für Ihren Angehörigen da sein. Achten Sie deshalb auch auf Ihr eigenes Wohlbefinden und pflegen Sie Ihre sozialen Kontakte.

Die Erfahrung zeigt, dass pflegende Angehörige häufiger gesundheitliche Probleme haben. Diese können von Rückenschmerzen bis zum Burnout reichen. Pflegende Angehörige arbeiten oft ununterbrochen, haben keine Zeit für sich selbst, schlafen schlecht oder können ihre Gefühle nicht verarbeiten. Ein weiterer Faktor, der vor allem bei pflegenden Ehepartnern eine Rolle spielt, ist die soziale Isolation. Halten Sie sich an die folgenden Regeln, um diesen Problemen vorzubeugen. Sie sorgen für Ihr Wohl und sowie die Betreuungsqualität:

  • Gönnen Sie sich lange Pausen. Sie haben das Recht, Zeit für sich zu beanspruchen, ab und zu Ferien zu machen und Freunde zu treffen. Das bedeutet nicht, dass Sie der Aufgabe nicht gewachsen sind oder  sie vernachlässigen.
  • Achten Sie auf Ihre Gesundheit. Wenn Sie gereizt sind und leicht die Geduld verlieren, sind Sie vielleicht am Ende Ihrer Kräfte. Tragen Sie sich Sorge!
  • Jeder hat das Recht, Nein zu sagen, wenn seine Gesundheit auf dem Spiel steht.
  • Die Betreuung und Pflege eines Angehörigen ist nicht nur körperlich belastend. Damit die Beziehung für beide Seiten stimmt, braucht es auch Anstrengungen, um miteinander zurechtzukommen und sich gegenseitig zu verstehen. Auftretende Spannungen sollten offen angegangen werden. Sprechen Sie mit Ihrer Familie, mit Freunden, in einer Selbsthilfegruppe oder mit einer Fachperson über das, was Sie bedrückt.
  • Tragen Sie vor allem Ihrem Rücken Sorge. Mit gezielten Übungen können Sie die Muskeln stärken, die bei der Pflegearbeit besonders beansprucht werden.

Nehmen Sie auftretende gesundheitliche Probleme ernst und suchen Sie einen Arzt auf. Die folgenden Symptome sind Alarmzeichen:

  • Gefühle der Überforderung und Schlaflosigkeit;
  • Verschlimmerung von bisher erträglichen Krankheiten und Beschwerden;
  • Mutlosigkeit, Depression, Nervosität;
  • Appetitlosigkeit, Schwierigkeit, sich gesund zu ernähren;
  • Rückenprobleme oder Schmerzen in den Beinen;
  • Auftreten von früheren Beschwerden oder neuen Schmerzen.

Sich helfen lassen

Die Pflege von Angehörigen kann hohe Anforderungen stellen. Sehr belastend kann die Situation werden, wenn sie über Jahre dauert oder intensiver wird.

Damit Sie bei der Betreuung nicht an Ihre Grenzen stossen, sollten Sie sich gut organisieren und alle verfügbaren Unterstützungsmöglichkeiten nutzen:

  • Nachtbett oder Kurzaufenthalt in einem Heim, Tagesklinik, Tageszentrum, Ablösung durch Freiwillige und Familienmitglieder.
  • Fahrdienst, Notrufsystem usw.
  • Aufteilung der Aufgaben innerhalb der Familie (z.B. Haushaltarbeiten)
  • Hilfsmittel (z.B. Krankenbett, WC-Aufsatz)
  • Selbsthilfegruppe, psychologische Unterstützung
  • Zusammenarbeit mit Fachpersonen, vor allem bei schwerer Pflegebedürftigkeit (Ärzte, Therapeuten, Spitex, Sozialdienste, Informations- und Beratungsstelle SRK usw.)

Anfangs kann ein Kurs oder eine Beratung, zum Beispiel durch die Informations- und Beratungsstelle für pflegende Angehörige SRK oder Ihre Spitexorganisation, hilfreich sein.

Muss die zu Hause gepflegte Person vorübergehend oder dauerhaft in ein Heim eintreten, sollte dies frühzeitig mit ihr, dem Arzt, dem Ehepartner sowie der Familie und dem Umfeld besprochen werden. Damit lässt sich eine angemessene Lösung für die neue Situation finden. Der Entscheid für die Betreuung im Heim bedeutet nicht, die Person im Stich zu lassen oder sie loswerden zu wollen. 

Pflegen lässt sich lernen

Je nach Unterstützungsbedarf der betreuten Person ist es wichtig, sich mit der Pflege vertraut zu machen. Die folgenden Tipps erleichtern Ihnen den Alltag. Anfangs können ein Kurs oder eine Beratung – etwa durch Spitexorganisation in Ihrer Region – hilfreich sein.

Die Mobilität erhalten

Werden Muskeln und Gelenke während längerer Zeit nicht bewegt, versteifen sie sich und schmerzen. Danach  wird es immer schwieriger, sich zu bewegen.

  • Ermuntern Sie die betreute Person, alltägliche Aktivitäten wie Aufstehen, Kochen usw. so lange als möglich selbst auszuführen.
  • Helfen Sie ihr, verordnete Übungen regelmässig durchzuführen.
  • Ist die betreute Person bettlägerig, kann Ihnen der Arzt oder die Spitex geeignete Übungen zeigen.

Zudem sind zahlreiche Hilfsmittel verfügbar, um die Mobilität zu fördern: Rollator, Toilettenaufsatz, Badewannensitz. 

Stürze verhindern

Ältere Menschen stürzen häufig, weil sie nicht mehr so beweglich sind, schlechter sehen oder möglicherweise an den Nebenwirkungen von Medikamenten leiden. 

So beugen Sie Stürzen vor:

  •     Sorgen Sie für eine gute Beleuchtung.
  •     Entfernen Sie Hindernisse wie Kabel.
  •     Gestalten Sie das Badezimmer sicherer.

Wenden Sie bei einem Sturz die Erste-Hilfe-Massnahmen an, die Sie sich in spezifischen Kursen aneignen können. Hält sich die betreute Person zeitweise alleine in der Wohnung auf, empfiehlt sich ein Notrufsystem, mit dem sie bei Bedarf jederzeit einfach und rasch Hilfe anfordern kann.

Den Rücken schonen

Wenn Sie jemandem beim Aufstehen und Gehen helfen, wird Ihr Rücken stark beansprucht. Achten Sie deshalb auf Ihre Haltung. Die Spitex kann Ihnen ein rückenschonendes Vorgehen zeigen. Sie können sich die richtige Technik auch in einem Kurs aneignen. Mit gezielten Übungen können Sie zudem die Muskeln stärken, die bei der Pflegearbeit besonders beansprucht werden. 

Bekleidung

Benötigt eine Person Unterstützung beim An- und Ausziehen, sollte sie bequeme Kleidungsstücke tragen, die sich einfach wechseln lassen und dennoch ansprechend aussehen. Unterstützen Sie die ältere Person und begleiten Sie sie beim Kleider kaufen. In Kleidern, die einem gefallen, fühlt man sich besser. Erkundigen Sie sich nach Hilfsmitteln wie beispielsweise Strumpfanziehhilfe. 

Körperpflege

Es ist nicht einfach zu akzeptieren, dass eine andere Person die Körperpflege übernimmt. Gehen Sie deshalb taktvoll und geduldig vor. Fördern Sie nach Möglichkeit die Selbstständigkeit. Eine gute Körperpflege und saubere Kleider sind wichtig für das allgemeine Wohlbefinden. Damit lassen sich unangenehme Gerüche verhindern und die Haut gesund erhalten. Allerdings sind die Vorstellungen von Sauberkeit sehr individuell. Sprechen Sie mit der betreuten Person darüber und einigen Sie sich mit ihr. Geeignete Hilfsmittel können die Körperpflege erleichtern.

In der Broschüre «Pflegend begleiten» wird Schritt für Schritt gezeigt, wie die Körperpflege und die Rasur im Bett oder am Lavabo durchgeführt werden und wie man jemandem beim Ein- und Aussteigen in die Badewanne oder Dusche hilft. 

Essen und Trinken

Beim Essen und Trinken auf andere angewiesen zu sein führt zu einem besonders starken Gefühl der Abhängigkeit. Appetitlosigkeit, Schwierigkeiten beim Kauen und Schlucken oder gar Übelkeit und Erbrechen können die Nahrungsaufnahme weiter erschweren. Auch bestimmte Medikamente können den Appetit hemmen. Darauf ist unbedingt zu achten, denn längere Appetitlosigkeit kann die Gesundheit gefährden. Um den Appetit zu steigern, können Sie ab und zu jemanden zum Essen einladen, mit dem die Person gut auskommt. Oder bieten Sie mehrmals täglich Zwischenmahlzeiten mit hohem Nährwert an.

Bei vielen älteren Menschen nimmt das Durstgefühl ab. Da sie deshalb zu wenig trinken, besteht die Gefahr, dass eine Dehydratation, Schwäche, Schläfrigkeit oder Verwirrtheit auftritt. Sorgen Sie dafür, dass immer genügend Getränke bereitstehen, vorzugsweise ungezuckerte. 

Achten Sie auch auf fehlende Zähne, schlecht sitzende Zahnprothesen, entzündetes Zahnfleisch oder Pilzinfektionen im Mund, die das Kauen behindern können. 

Ausscheidung

Die Ausscheidung betrifft einen sehr intimen Bereich. Viele Menschen empfinden es deshalb als erniedrigend, nicht mehr ohne Hilfe zur Toilette gehen zu können. Kommen noch Beschwerden wie Durchfall, Verstopfung, Harn- oder Stuhlinkontinenz dazu, können starke Schamgefühle auftreten. Meist wird dieser Aspekt der Pflege als besonders unangenehm empfunden. Es ist wichtig, dass die betreute Person diese Funktion möglichst lange selbstständig wahrnehmen kann. Um ihre Mobilität zu erhalten, lohnt es sich auch, sie zur Toilette zu begleiten. Auch hier stehen zahlreiche Hilfsmittel zur Verfügung, die den Alltag erleichtern können. 

Betreuung von Menschen mit Demenz

Besonders hohe Anforderungen stellt die Pflege eines demenzkranken Familienmitglieds. Denn mit der Zeit verschlechtert sich dessen Zustand unweigerlich.

Demenz ist eine Erkrankung, bei der die Hirnleistungen allmählich abnehmen. Sie äussert sich in Sprachstörungen, in der Schwierigkeit, bekannte Menschen und Gegenstände zu erkennen und sich in der vertrauten Umgebung zurechtzufinden, sowie in einer Abnahme des Urteils- und Denkvermögens. Nicht jede Person, die ab und zu verwirrt ist, leidet zwangsläufig an Demenz. Auch starke Vergesslichkeit ist noch keine Demenz. Umgekehrt treten bei einer Demenz nicht nur Gedächtnisstörungen auf. Deshalb sollten die Ursachen eines unerklärlichen Verhaltens unbedingt frühzeitig abgeklärt werden.

Die eigenen Grenzen erkennen 

Das Zusammenleben mit einem Menschen, der an Demenz leidet, erfordert sehr viel Energie. Sie haben das Recht, sich helfen zu lassen.

  • Treten Sie einer Selbsthilfegruppe für Personen bei, die demenzkranke Angehörige pflegen. Nur schon zu erfahren, dass andere die gleichen Probleme haben, und sich gegenseitig auszutauschen, kann Ihnen wieder Kraft geben.
  • Nutzen Sie die Möglichkeit, sich vom SRK oder von der Spitex ablösen und unterstützen zu lassen. Erkundigen Sie sich nach Heimen und Kliniken, die Demenzkranke aufnehmen. Viele bieten zum Beispiel Kurzaufenthalte während den Ferien an.
  • Bei einer fortgeschrittenen Demenz muss die betroffene Person unter Umständen Tag und Nacht betreut und überwacht werden. Achten Sie deshalb immer auf Ihre eigenen Grenzen und engagieren Sie sich nicht bis zur Erschöpfung. Auch Sie haben Bedürfnisse, die nicht vernachlässigt werden sollten.
  • Ziehen Sie geeignete Lösungen in Betracht, wenn Sie am Rand der Erschöpfung sind. Wenden Sie sich zum Beispiel an ein spezialisiertes Heim, das Ihnen die Möglichkeit bietet, die Person zu besuchen, so oft Sie es wünschen, und sich an der Pflege zu beteiligen. 

Betreuung von Menschen mit einer Depression

Bei allen Menschen kann unerwartet eine depressive Verstimmung oder eine Depression auftreten. Wenn Sie das Gefühl haben, dass ein Angehöriger depressiv wird oder ist, sollten Sie ihn darauf ansprechen.

Um frühzeitig reagieren zu können, ist es wichtig, auf erste Anzeichen einer Depression zu achten: übermässige Müdigkeit, Schlafstörungen, Appetitlosigkeit, manchmal in Verbindung mit starker Gewichtsabnahme, Antriebslosigkeit, Angst- oder Schuldgefühle, Eindruck eines «Gefühlschaos», chronische Erschöpfung, Aufmerksamkeits- und Konzentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen, Entscheidungsunfähigkeit.

Bei der Betreuung eines Familienmitglieds, das an einer depressiven Verstimmung leidet, sind die folgenden Punkte wichtig:

  • Versuchen Sie, Geduld und Verständnis aufzubringen.
  • Suchen Sie den Kontakt, auch wenn die Person dazu neigt, sich zurückzuziehen.
  • Seien Sie flexibel. Jeder Tag kann anders sein.
  • Ermuntern Sie ohne Druck auszuüben. Dazu benötigen Sie viel Fingerspitzengefühl.
  • Formulieren Sie Ihre Vorschläge und «Anweisungen» klar und einfach. Für eine depressive Person sind Entschlossenheit und Gelassenheit wohltuend.
  • Nehmen Sie die Aussagen der Person ernst, selbst wenn sie Suizidabsichten äussert.
  • Lassen Sie sich helfen. Sprechen Sie mit dem behandelnden Arzt. Reden Sie mit der depressiven Person über das, was sie bedrückt und ihr Sorgen macht.
  • Unterstützen Sie die medizinische und psychologische Behandlung. Begleiten Sie die Person bei Bedarf zum Arzt oder Therapeuten.
  • Sorgen Sie dafür, dass die betroffene Person die verordneten Medikamenten einnimmt.
  • Achten Sie auf Ihre eigene Gesundheit. Wenn Sie gereizt sind und leicht die Geduld verlieren, sind Sie vielleicht am Ende Ihrer Kräfte. Tragen Sie sich Sorge!

Finanzielle Unterstützung erhalten

Die Pflege eines Angehörigen hat auch Auswirkungen auf das Familienbudget. Der Verdienstausfall, der durch die Betreuung entsteht, lässt sich auf verschiedene Weise ausgleichen.

Möglichkeiten für Personen, die Hilfe und Pflege in Anspruch nehmen: 

Neben den Leistungen der Grundversicherung der betreuten Person übernimmt möglicherweise die Zusatzversicherung einen Teil der Haushilfeleistungen (Franchisebetrag abklären). Das kann für pflegende Angehörige eine interessante Lösung sein, um sich bei der Arbeit unterstützen zu lassen. 

Bei zu Hause betreuten Personen kann schon bei einer Hilflosigkeit leichten Grades bei der AHV ein Gesuch um Hilflosenentschädigung eingereicht werden. Allerdings muss die Hilflosigkeit seit mindestens einem Jahr bestehen. Die betreute Person kann die Entschädigung dem pflegenden Familienmitglied als Vergütung für seine Leistungen zukommen lassen. 
Unter bestimmten Bedingungen können auch verschiedene Hilfsmittel über die AHV finanziert werden. 
Möglicherweise hat die betreute Person zudem Anspruch auf Ergänzungsleistungen (EL). Auch die spezifischen Krankheits- oder Invaliditätskosten können über die EL erstattet werden, falls sie nicht von einer Krankenkasse oder Versicherung gedeckt sind. 

Entsteht einer Person ein erheblicher Verdienstausfall durch die Haushilfe- und/oder Pflegeleistungen, die sie für ein Familienmitglied erbringt, sollte abgeklärt werden, ob ein bestimmter nach oben begrenzter Betrag im Hinblick auf die Auszahlung von Ergänzungsleistungen berücksichtigt werden kann. Bedingung ist, dass sie nicht im gleichen Haushalt lebt. Wie bei der Hilflosenentschädigung geben diese Beträge den betreuten Personen die Möglichkeit, ihre pflegenden Angehörigen zu entschädigen. 
Schliesslich können die Krankheits- oder Invaliditätskosten – beispielsweise die Franchisen der Krankenkassen – in der Steuererklärung abgezogen werden. 

Möglichkeiten für pflegende Angehörige: 

Sind die pflegenden Angehörigen noch nicht im AHV-Alter, können sie sich unter bestimmten Voraussetzungen (z. B. gemeinsamer Haushalt, mindestens Hilflosigkeit mittleren Grades) bei der AHV Betreuungsgutschriften anrechnen lassen. Die Anmeldung dafür muss jährlich erneuert werden. Die Gutschriften erfolgen in Form eines fiktiven Einkommens, das bei der Berechnung der AHV-Rente berücksichtigt wird. 

Pflegende Angehörige können auch in Erwägung ziehen, sich von einer Spitexorganisation anstellen zu lassen. Dazu müssen sie bestimmte fachliche Anforderungen erfüllen (mindestens Pflegehelferin SRK). Einige wenige Kantone (wie der Kanton Freiburg) zahlen pflegenden Angehörigen eine Entschädigung. 

Entlastungsangebote für pflegende Angehörige (Ablösung tagsüber oder Fahrdienst) werden unter Umständen von der Versicherung und der Krankenkasse finanziert. Es lohnt sich, sich zu erkundigen. 

Arbeit und Pflege unter einen Hut bringen

Es ist nicht einfach, die Betreuung eines Angehörigen mit einer Berufstätigkeit zu vereinbaren. In dieser Frage gibt es kein Patentrezept, aber einige Lösungsansätze:

  • Sehr oft ist der Arbeitgeber nicht darüber informiert, was pflegende Angehörige zu Hause für ihre Familie leisten. Sie sollten die Möglichkeit prüfen, mit Ihrem Arbeitgeber offen darüber zu sprechen, auch weil diese Tätigkeit langfristig Auswirkungen auf Ihre Arbeit haben könnte. Vereinbaren Sie mit Ihrem Vorgesetzten ein Gespräch, bereiten Sie sich gut darauf vor und halten Sie schriftlich fest, was Sie erreichen möchten (z. B. Anpassung der Arbeitsbedingungen). 
  • Der Arbeitgeber muss auf Ihre Familienpflichten Rücksicht nehmen. Dazu gehören die Erziehung von Kindern bis zum Alter von 15 Jahren und die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger oder nahestehender Personen. Gegebenenfalls sind Sie berechtigt, Überzeitarbeit abzulehnen und eine Mittagspause von mindestens eineinhalb Stunden zu verlangen (Art. 36 des Arbeitsgesetzes).
  • Pflegende Angehörige können sich diesbezüglich auch von spezialisierten Organisationen beraten lassen. 

Die rechtlichen Aspekte regeln

Wenn Sie einen Angehörigen betreuen oder pflegen, sollten Sie mit ihm einen Pflegevertrag abschliessen. Darin lassen sich die Art der Leistungen klären und die Kosten und die Logistik vereinbaren

Ein Pflegevertrag umfasst folgende Punkte:

  • Beginn und Ende der Betreuung sowie Kündigungsfrist
  • Kündigung des Vertrags bei ausserordentlichen Umständen wie einem Heimeintritt
  • Ferienregelung
  • Entschädigung
  • Nutzungsrechte, wenn Sie unter dem gleichen Dach wohnen
  • Beschreibung der Unterstützungsleistungen
  • Erstellte Vollmachten

Es braucht viel Zeit und Energie, die Betreuung zu klären. Die Sozialberatungsstellen verschiedener Organisationen können Ihnen qualifizierte Unterstützung bieten. 

Zahlen und Studien zur Angehörigenpflege

In der Schweiz wurden mehrere Studien zur Arbeit von pflegenden Angehörigen durchgeführt. Nach Schätzungen leisten 220 000 bis 250 000 Personen Arbeit im Wert von 1,2 Milliarden Franken.

Pflegende Angehörige:

  • sind meist Frauen – die Ehepartnerinnen der pflegebedürftigen Personen.
  • leisten unentgeltlich Arbeit, die aus wirtschaftlicher Sicht unentbehrlich ist.
  • haben ein höheres Risiko, selbst krank zu werden.
  • pflegen hauptsächlich aus Liebe, Zuneigung und moralischer Verpflichtung.

Pflegende Angehörige empfinden ihre Aufgabe als sehr befriedigend: Sie helfen einer geliebten nahestehenden Person, sich besser zu fühlen und haben bereichernde Kontakte zu ihr. Zudem gibt ihnen diese Aufgabe das Gefühl, ihre Pflicht zu erfüllen und ihre Verantwortung wahrzunehmen. 

Doch jede Medaille hat ihre Kehrseite. Die Unterstützung von Angehörigen ist eine anforderungsreiche Tätigkeit, die sich auf das Familienleben, die Arbeit, die Gesundheit, die sozialen Kontakte und das Einkommen auswirkt. Bei einigen betreuten Personen, die nicht allein gelassen werden können, muss rund um die Uhr jemand anwesend sein. Pflegende Ehepartner wenden durchschnittlich 60 Stunden (lateinische Schweiz: 99 Stunden) pro Woche für diese Aufgabe auf. Kinder, die ihre Eltern betreuen, investieren wöchentlich 25 Stunden (lateinische Schweiz: 58 Stunden). 

Gefährdete Gesundheit

Pflegende Angehörige – meistens Frauen –, leiden überdurchschnittlich oft an gesundheitlichen Problemen, die von Rückenschmerzen bis zum Burnout reichen. Denn sie arbeiten ununterbrochen, haben keine Zeit für sich selbst, schlafen schlecht oder können ihre Erlebnisse nicht gut verarbeiten.

Besonders Angehörige, die sich intensiv engagieren, leiden unter chronischem Stress. Ein weiterer Faktor, der vor allem bei pflegenden Ehepartnern eine Rolle spielt, ist die soziale Isolation. Pflegende Angehörige leiden auch häufiger an Schlafstörungen und Schmerzen (zum Beispiel Rückenschmerzen) und konsumieren viel mehr Schlaf- und Beruhigungsmittel, aber auch Antidepressiva als die Vergleichsgruppe. Nicht selten treten bei ihnen zudem Herz-Kreislauf-Probleme, ein geschwächtes Immunsystem und eine allgemeine Erschöpfung auf, die zu einer Depression führen kann. 

Besonders hohe Anforderungen stellt die Pflege eines Familienmitglieds mit Demenz. Denn mit der Zeit verliert dieser Mensch seine kognitiven Fähigkeiten und seine Selbstständigkeit. Dadurch lockert sich die soziale und emotionale Bindung zwischen der pflegenden und der erkrankten Person. Für die Angehörigen ist diese Entwicklung sehr belastend.

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