Facetten der Pflege

Pflegende Angehörige – ab wann gehöre ich dazu?

Die Situation pflegender Angehöriger wird in ihrer Komplexität sowohl von den Angehörigen selbst als auch von der Öffentlichkeit ganz häufig unterschätzt. Was mit kleinen Liebesdiensten beginnt, endet nicht selten in einer rundum Pflege, dessen Ausmass und Vielfalt sich vorher niemand bewusst war.

Bin ich pflegende/r Angehörige/r?

Auch die pflegenden Angehörigen selbst sind sich häufig nicht bewusst was sie alles leisten und wohin ihre Kräfte fliessen. Mit der Frage, ob man selbst bereits zu der Gruppe der pflegenden Angehörigen gehört, fängt es bereits an. Ab wann zählt man denn zu der Gruppe pflegender Angehörigen. Zähle ich auch dazu wenn ich nicht direkt pflege? Ist Betreuung keine Pflege? Wo und wann beginnt der Prozess und wer bestimmt die eigene Zugehörigkeit?

In der Praxis erlebe ich immer wieder Menschen, die ich aus fachlicher Sicht bereits als pflegende Angehörige bezeichnen würde, sie selbst aber finden, das was sie für einen geliebten Menschen tun sei doch selbstverständlich und pflegen würden sie ja nicht. Dass aber ein grosser Teil ihrer Zeit zum Beispiel in die Sorge um den anderen, in die Begleitung zu Terminen oder in die Organisation des Alltags fliesst, vergessen sie dabei. Es ist aber auch nicht entscheidend, ob andere Personen finden man sei pflegender Angehöriger oder nicht. Entscheidend ist, wie man selbst seine Situation einschätzt und noch wichtiger, dass man sie nicht unterschätzt. Eine Unterschätzung führt häufig dazu, dass man sich unreflektiert in eine Situation begibt, deren Aufwand ganz unbemerkt stetig steigt. Und erst wenn man ganz erschöpft ist, fragt man sich: Was tue ich da eigentlich? Bewusst entscheiden und eigene Grenzen frühzeitig erkennen ist für den ganzen Prozess der Betreuung und Pflege eines Angehörigen wichtig.

Die Gruppe der pflegenden Angehörigen

Die grosse Gruppe pflegender Angehöriger ist sehr heterogen. Man findet grosse Unterschiede im Alter – von ganz jung bis hochbetagt. Zu den pflegenden Angehörigen gehören meistens Verwandte, aber auch Freunde und Nachbarn zählen dazu. Es gibt pflegende Angehörige im ambulanten und stationären Bereich. Die Beziehungsqualität kann ganz verschieden sein. Es gibt pflegende Angehörige mit sehr guten aber auch solche mit konfliktbeladenen Beziehungen. Aus dieser grossen Heterogenität entstehen ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Und es ist normal verschieden zu sein. Jeder ist der pflegende Angehörige, der er oder sie sein kann. Unterschiedliche Kompetenzen führen auch zu unterschiedlichen Belastungen. Es macht keinen Sinn sich mit anderen zu vergleichen, es ist wichtig die eigene Situation sowie ihre Grenzen und Möglichkeiten im Blick zu behalten.

Ich brauche Hilfe

Suchen Sie Unterstützungsangebote? Hier finden Sie Adressen in Ihrer Nähe.