Praktische Tipps

Integration älterer Personen

Gerade wenn man in einen fordernden Alltag eingebunden ist – zum Beispiel durch die Betreuung eines kranken oder älteren Angehörigen – ist es wichtig, auch Festen einen Platz zu geben.

Das Fest soll nicht «noch mehr» Aufwand für die pflegende Person bedeuten. Keine zusätzlichen Strapazen und Überforderungen, auch wenn Vorbereitungen zu einem Fest dazu gehören. Gemeint ist das bewusste und gemeinsame Innehalten, die Hinwendung zum Besonderen, und dies kann oft mit einfachen Mitteln erreicht werden. 

Hilfreich ist es, wenn früher durchgeführte Abläufe oder Rituale beibehalten werden – so werden Erinnerungen geweckt. Hierzu eignen sich besonders gut alle sinnlichen Erfahrungen: Musik, aber auch der Duft von Guetsli oder Braten oder eine auf persönliche Weise dekorierte Wohnung lassen Bilder und Gefühle von früher aufsteigen.

Voraussetzung für das gemeinsame Gestalten ist immer, dass die andere Person an solch einer Tätigkeit grundsätzlich Freude hat und dass sie Verrichtungen übernimmt, die gelingen. Die Aktivität muss in Bezug auf den Ablauf und das benötigte Material durchdacht werden.

Beispiel – Rituale beibehalten

In der Familie wurden an Weihnachten jeweils bestimmte Lieder gesungen und die Kinder haben diese auf der Blockflöte und am Klavier begleitet. Der an Demenz erkrankte Grossvater singt – ohne Stocken – diese alten Lieder mit. Durch Musik und Singen werden diese Erlebnisse und die damit verbundenen Gefühle hervorgerufen.

Beispiel – Kleine Gesten mit grosser Wirkung

Der für einen demenzkranken Menschen gebackene Geburtstagskuchen und die Gesichter der anderen, die das Geburtstags«kind» anlachen, wird ihm erfahrbar machen, dass heute sein besonderer Tag ist. Das Tischtuch und die kleine Vase mit Blumen sind weitere Hinweise auf den festlichen Anlass.

Beispiel – Integration in die Vorbereitung

Seit vielen Jahren leidet die Mutter an einer Demenz und ist mittlerweile stark von der Krankheit gezeichnet. Die Tochter bringt einen fertigen Guetsliteig mit und ein Förmchen zum Ausstechen. Beide sitzen am Küchentisch und die Tochter führt die Hand der Mutter beim Ausstechen, legt anschliessend die Guetsli aufs Blech, wo sie über Nacht trocknen können. Am anderen Tag führt die Tochter die Hand der Mutter und so legen sie die Guetsli in mitgebrachte Schächtelchen. Auf jedes geschlossene Schächtelchen drückt die Mutter einen selbstklebenden Stern – so entstehen für alle Enkel und Kinder kleine Geschenke.

Beispiel – auf Bedürfnisse eingehen

Eine kranke alte Dame übte früher mit grosser Freude und Leidenschaft den Beruf der Hauswirtschaftslehrerin aus – ein schön gedeckter Tisch und ein festlich geschmücktes Esszimmer gehörten stets zu Weihnachten dazu. Dieses tief verwurzelte Bedürfnis greifen die beiden Enkelsöhne auf: Sie basteln jeweils mit ihrer Grossmutter den Tischschmuck, falten Servietten, binden den Weihnachtskranz und vergolden gemeinsam mit ihr die zuvor gesammelten Nüsse. Schliesslich decken sie – langsam und mit viel Ruhe – gemeinsam den Tisch.