Entlastung für pflegende Angehörige

Kraft tanken für den belastenden Alltag

Für einander da zu sein, «in guten wie in schlechten Zeiten», hat sich das Ehepaar Buess vor über 30 Jahren versprochen. Trotz der Krankheit ihres Mannes kann Alice Buess dieses Versprechen noch einhalten - dank dem Entlastungsdienst des Roten Kreuzes.

Alice und Kurt Buess wohnen in einem idyllischen Quartier der Gemeinde Lausen (BL) in einem kleinen Einfamilienhaus. Die Beiden sind seit über 30 Jahren verheiratet, haben drei erwachsene Kinder und zwei Grosskinder. Heuer werden beide 62 Jahre alt und erreichen damit das Alter, für das sie eigentlich ihre vorzeitige Pensionierung geplant hätten. Für diesen Lebensabschnitt hatte sich das Ehepaar Buess viel vorgenommen: Eine grosse Reise nach Kanada, Umbauarbeiten am Eigenheim und viel Zeit mit den Grosskindern verbringen.

Doch es kam ganz anders: Eine Demenzerkrankung, die ein Arzt vor fünf Jahren bei Kurt Buess diagnostiziert hatte, wirft all diese Pläne über den Haufen. Kurt Buess ist mittlerweile nicht mehr in der Lage, den Alltag alleine zu bewältigen, geschweige denn zu reisen oder handwerkliche Aufgaben am Haus auszuführen. Er braucht für jeden Schritt und jede Alltagshandlung Anleitung und Unterstützung, sei es beim Anziehen, bei der Körperpflege, beim Essen oder bei Erledigungen ausser Haus. Er spricht kaum noch und hat sich völlig in seine eigene Welt zurückgezogen.

Alice Buess hat die Betreuung ihres Mannes von Anfang an übernommen. In den fünf Jahren, seit sich die Krankheit in ihr Leben geschlichen hat, wurde die Pflege immer intensiver. Heute braucht ihr Mann rund um die Uhr Betreuung und Alice Buess, die selber noch zu 40 Prozent als Pflegehelferin arbeitet, stösst je länger je mehr an ihre Grenzen. Ihr wurde klar, dass sie sich Hilfe von aussen suchen muss, einen Ort, an dem sie Entlastung findet, Unterstützung, um den Alltag zu bewältigen. Ihren Mann ganz in fremde Betreuung zu geben kommt für sie nicht in Frage. Als es beiden noch gut ging, haben sie sich versprochen, füreinander da zu sein, «in guten wie in schlechten Zeiten». Dieses Versprechen möchte Alice Buess so lange wie möglich einhalten, ohne sich selber zu verlieren. Sie weiss, dass sie ihrem Mann keine Hilfe ist, wenn sie sich so sehr aufopfert, dass im schlimmsten Fall ein Hass auf die Krankheit entsteht oder sie selber unter dem grossen Druck krank wird. Sie hat aber auch Angst vor einen schlechten Gewissen, wenn sie ihren Mann in fremde Obhut gibt.

Alice Buess hat beim Schweizerischen Roten Kreuz, Kantonalverband Baselland, eine auf ihre Situation zugeschnittene Lösung gefunden. Sie kann ihren Mann drei Mal pro Woche in die Tagesstätte bringen, wo ihr Mann betreut, aktiviert und gut umsorgt wird. Er geht gerne dorthin, das erkennt sie an seiner Mimik und an einer guten Laune, wenn sie ihn abends abholt. Das hilft ihr, kein schlechtes Gewissen zu haben. An diesen drei Tagen geht Alice Buess ihrer Teilzeitarbeit nach, erledigt den Haushalt in aller Ruhe und pflegt Hobbys und Freundschaften. Auf Abruf kann sie ausserdem eine Rotkreuz-Betreuerin zu sich nach hause bestellen, wenn sie beispielsweise an einem Abend weggehen will. In einer Angehörigen gruppe findet sie ausserdem Gleichgesinnte, mit denen sie sich über Sorgen und Probleme austauschen kann und wo sie konkrete Tipps bekommt. Mit all diesen Angeboten kann Alice Buess Kräfte sammeln, um die Betreuung ihres Mannes gut zu bewältigen. So hat sie ihren ganz persönlichen Mittelweg gefunden, um ihr Versprechen einzuhalten. Sie hofft, lange wie möglich hinauszögern zu können dass sie ihren Mann ganz in fremde Betreuung geben muss. Dank der Möglichkeit, das Betreuungsangebot den Bedürfnissen laufend anzupassen, dürfte dieser Wunsch in Erfüllung gehen.